Kranker Darm, was tun?

Darmdysbiose in der Naturheilkunde
Darm mit Darmbakterien

Unser Darm ist unser allergrößtes Organ. Bei einem erwachsenen Menschen ist er 8 m lang und die Oberfläche beträgt ausgebreitet rund 500 qm. Das ist fast die Größe von 2 Tennisplätzen. Eine gigantische Fläche! Zum Vergleich: die Lunge kommt auf 100qm, die Haut auf 2qm. Die Gesamte Darmoberfläche fungiert als Kontaktstelle zur Außenwelt. Essen und Trinken wird im Darm aufgeschlüsselt und über die Darmschleimhaut aufgenommen. Im Darm entscheidet sich also, aus was wir unsere Zellen bauen, und was wieder ausgeschieden wird. Das ist eine immens wichtige und sehr komplexe Aufgabe. Entsprechend vielfältig sind die Störungen, die bei einem kranken Darm auf der Schleimhaut entstehen können.

Die meisten Menschen verstehen unter einer guten Verdauung, dass sie oft und problemlos auf die Toilette gehen können. Die Häufigkeit alleine sagt jedoch nichts über über den Zustand der Darmschleimhaut und der Verdauungsorgane aus. Im Darm entscheidet sich, welche Stoffe in welcher Größe in unsere Blutbahn und von dort in alle Organe gelangen.


Warum ist das wichtig?

Funktioniert die Aufspaltung nicht korrekt, fängt der Speisebrei an zu gären und zu faulen. Dadurch entstehen Gase (Blähungen) aber auch andere, giftige Stoffe wie zum Beispiel Fuselalkohole. Auch die werden über Darmschleimhaut aufgenommen. Im Körper müssen sie wieder abgebaut und ausgeschieden werden. Das passiert hauptsächlich über die Niere und die Leber. Wenn im Darm zu viele Giftstoffe entstehen, wird die Leber überbelastet.

Das kann zwei Dinge zur Folge haben:

  1. die Giftstoffe lagern sich im Bindegewebe ab und führen dort z. B. zu Entzündungen.
  2. die Leber selber wird geschädigt und Leberzellen sterben ab. Dies zeigt sich im Blut in erhöhten Leberwerten. Die Belastung über den Darm kann soweit gehen, dass die Leberwerte aussehen wie bei einem Alkoholiker. Ohne dass auch nur ein Tropfen Alkohol getrunken wird.

Was sind die Aufgaben des Darmes?

Leaky gut natürlich behandeln
Darmschleimhaut mit Zellen

Unser Darm ist das Organ mit der größten Oberfläche. Entsprechend anfällig ist er auf Erreger und Entzündungen. Deswegen sitzen rund 80% der Immunzellen im und um den Darm. Das ist auch gut so, schließlich entscheidet sich dort, ob wir krank werden oder nicht. Ist der Darm nicht in Ordnung, gerät die Immunabwehr unter Druck. Es kann eine Infektanfälligkeit oder auch Allergien entstehen.

 

Das sind die Aufgaben des Darmes:

  • Aufschlüsseln der Nahrung in Fette, Zucker und Eiweiße
  • Aufnahme der Nahrung über die Schleimhaut
  • Aufnahme von Wasser über die Schleimhaut
  • Versorgung mit Vitaminen und Mineralien
  • Abtötung fremder Keime
  • Ausscheidung nicht benötigter Bestandteile
  • Entscheidung über fremd und eigen

Die Verdauung beginnt im Mund!

Mit Hilfe der Zähne zerbeissen und zermalmen wir unser Essen, bis nur noch kleine Stücke da sind. Außerdem wird bereits im Mund ein Enzym über den Speichel ausgeschüttet, welches die Kohlenhydratverdauung startet.

Essen wir zu hastig oder kauen wir nicht richtig, muss später der Darm die Mehrarbeit übernehmen. Dafür ist er aber nicht gemacht! Viele Verdauungsprobleme können gelöst werden, in dem wieder ruhig und ordentlich gekaut wird.

 

Danach kommt der Speisebrei in den Magen. Der Magen hat einen sehr niedrigen pH-Wert, er ist mächtig sauer. Das ist auch richtig so. Die Säure zersetz das Essen, vor allem die Eiweiße. Außerdem tötet sie Viren, Pilze und Bakterien ab. Produziert der Magen nicht genügend Salzsäure haben wir viele unterschiedliche Probleme:

  1. Bakterien, Pilze und Viren können im Darm zu Entzündungen führen.
  2. die Nahrung bleibt länger im Magen liegen, dadurch kommt es zu Sodbrennen, Magendruck oder Übelkeit
  3. der Speisebrei hat einen zu hohen pH-Wert, wenn er in den Darm kommt. Die (guten) sauren Bakterien, können sich schlecht vermehren. Dadurch verschiebt sich die Bakterienflora im Darm. 
  4. durch die pH-Verschiebung kann es zu einem Vitamin B12 Mangel kommen.

Was passiert im Darm?

Verdauungsprobleme in der Heilpraktikerpraxis
Der Weg durch den Darm

Ist die Nahrung im Darm angekommen, geht es mit der Verdauung erst richtig los.

Im Dünndarm schüttet die Bauchspeicheldrüse Säfte aus, welche für die Kohlenhydrat- und Eiweißverdauung wichtig sind.

Die Leber macht über die Galle ihren Teil, damit Fette richtig aufgespalten und aufgenommen werden können.

Sind die Lebensmittel in kleine Bestandteile zersetzt, werden diese über die Darmschleimhaut aufgenommen und gelangen so ins Blut.  Außerdem werden Teile der Gallensäfte (z. B. Gallensäuren) wieder aufgenommen. Sozusagen internes Recycling.

 
Im Dickdarm existieren andere Bakterienkulturen. Die sorgen unter anderem dafür, dass wir genügend Vitamin K haben. Außerdem wird im Dickdarm Wasser in den Körper aufgenommen.


Warum sind die Darmbakterien wichtig?

Im Darm herrscht ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Bakterienkulturen. Ändern sich pH-Wert oder die Zusammensetzung der Nahrung, ändert sich auch die Zusammensetzung der Darmbakterien. Die Bakterien steuern aber nicht nur die Nahrungsaufnahme. Sie haben Einfluss auf viele weitere Dinge.

Dazu gehören:

  • Produktion von Stoffen, die das Immunsystem stimulieren
  • Produktion von biogenen Aminen, dazu gehört z. B. Histamin (wichtig bei der Entstehung von Allergien)
  • Produktion von Vitamin K, Thiamin (B1), Riboflavin (B2), Pyridoxin (B6) und B12
  • Versorgung der Darmschleimhaut mit Energie
  • Anregung der Perestaltik (Darmbewegung)
  • Produktion von "Glückshormone" Dopamin und Serotonin
  • Produktion von Giftstoffen
  • Produktion von Fuselalkoholen

Daher ist es sehr wichtig, dass der Magen, die Leber und die Bauchspeicheldrüse genügend Verdauungssäfte produzieren und damit den pH-Wert für jeden Verdauungsabschnitt konstant halten. Auch die Zusammensetzung der Nahrung und damit das Essangebot für die Darmbakterien hat einen großen Einfluss darauf, welche Stämme wachsen können.


Was passiert, wenn die Darmflora gestört ist?

Heilpraktiker behandeln Darmprobleme
Krank durch Fehlbesiedlung im Darm

Ist die Zusammensetzung der Bakterien durcheinander geraten, hat das weitreichende Folgen für den Körper. Es vermehren sich Bakterien, die dort nichts zu suchen haben. Dies geben Stoffe ab, welche die Darmschleimhaut schädigen. Sie wird löchrig und kann sich entzünden. Wenn die Darmschleimhaut nicht mehr "dicht" hält, können auch Nahrungsbestandteile in den Körper gelangen, die dort nichts zu suchen haben. Dazu gehören Stoffe, die normalerweise ausgeschieden werden, wie auch Stoffe, die noch nicht vollständig zersetzt worden sind.

Vor allem die Leber wird dadurch stärker belastet. Auch das Immunsystem muss vermehrt arbeiten. Einerseits muss es gegen die Entzündung im Darm vorgehen, andererseits muss es die Stoffe im Blut abfangen, die dort nichts zu suchen haben. 

 

Folgende Probleme können bei einer gestörten Darmflora auftreten:


Ursachen für eine Fehlbesiedelung

Wie sie oben gelesen haben, beeinflussen viele Dinge die Darmbakterien. Die häufigsten Ursachen für eine Verschiebung der Darmflora sind folgende:

  • Kaiserschnittgeburt (fehlende Bakterien aus dem Vaginalkanal)
  • Füttern mit Flaschenmilch anstelle von Muttermilch
  • Falsche Ernährung: zu viel Eiweiß, zu wenig Ballaststoffe
  • Zusatzstoffe in der Nahrung: Glutamat, Konservierungsmittel, künstliche Aromen etc.
  • zu schnelles Essen, zu wenig kauen
  • Fehlregulation im Säure-Basen-Haushalt
  • Antbiotikagabe (abhängig vom Wirkstoff)
  • langfristige Medikamenteneinnahme
  • Funktionelle Magenschwäche: zu wenig Salzsäure
  • Funktionelle Pankreasschwäche: zu wenig Bauchspeichel
  • Funktionelle Leberschwäche: zu wenig Galle
  • Psychische Probleme
  • Stress über längere Zeit
  • Nebennierenschwäche
  • Chemo- und Strahlentherapie
  • Chronische Entzündungen vor allem der Zähne, Mandeln und Nebenhöhlen

Vor allem für Kinder atopischer Eltern (Asthma, Allergien, Neurodermitis) ist es wichtig, von Anfang an gut mit Darmbakterien versorgt zu werden. Hier ist es sinnvoll, bereits in der Schwangerschaft und auch in der Stillzeit mit Bakterien zu arbeiten. Dadurch kann das Risiko für Kinder deutlich gesenkt werden. Auch bei Kaiserschnitt-Kindern oder Flaschenbabys ist es wichtig, die fehlenden Bakterien gleich zu Beginn zu geben.


Was wird untersucht?

Heilpraktiker untersuchen im Labor
Untersuchungen in der Praxis

Bei der Untersuchung frage ich Darmsymptome ab. Außerdem taste ich den Bauch, überprüfe die Darmregion in der Augendiagnose und mache eine Urinüberschichtung.

Sind verschiedene Symptome da, die auf Darmprobleme deuten, mache ich in der Regel eine Stuhlprobe. Je nach Beschwerdebild, sind die nötigen Werte unterschiedlich. Als Basisuntersuchung wird die Darmflora (Bakterien, Pilze), Entzündungsmarker, Verdauungsrückstände und der Zustand des Immunsystems (sIgA) gemessen. Bei Allergien und Parasiten kann auch der EPN Wert sinnvoll sein.

Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten können in Form von Atemtests ausgeschlossen werden. Im Blut ist es manchmal sinnvoll, die DAO (Diaminoxidase) zu messen. Diese ist dafür zuständig, Histamin abzubauen. Sind in der Darmflora Histaminbildner vermehrt, ist im Körper zu wenig DAO vorhanden. Es kommt zu Symptomen einer Histaminunverträglichkeit (HIT).

 

Bei der Untersuchung und Befragung achte ich vor allem auf mögliche Störfelder wie Narben, chronische Entzündungen, Gifststoffbelastungen, Medikamente und vergangene Krankheiten.

 

Anhand der Resultate stelle ich eine individuelle Therapie und einen Behandlungsplan zusammen.


Darmsanierung: wie geht das?

Es kann sehr mühsam und langwierig sein, eine gestörte Bakterienflora wieder aufzubauen. Allgemein dauert eine Therapie egal welcher Art mindestens 2-3 Monate. Das ist die Zeit, die der Körper braucht, um alle Zellen zu erneuern. Die Darmtherapie dauert in der Regel 2-8 Monate. In dieser Zeit, müssen täglich Darmbakterien eingenommen werden. Damit sie erfolgreich ist, muss aber auch die Ursache für die Darmfloraverschiebung gefunden und behoben werden. Sonst kommen die Probleme zurück, sobald die Therapie abgesetzt wird.

 

Nimmt man Bakterien ein, können die sich nicht auf Dauer im Darm halten. Das ist aber auch nicht das Ziel. Die Präparate sollen das Milieu (pH-Wert und Stoffwechselprodukte der Bakterien) so weit verändern, dass sich die körpereigenen Bakterien besser vermehren können. Das heißt, ich bereite mit den Medikamenten den Boden für die gewünschten Kulturen vor. Wird zusätzlich nicht die Ursache für die Floraverschiebung behoben, ist ein paar Monate nach der Therapie alles wieder beim Alten.

 

Je nach dem in welchem Zustand die Darmschleimhaut ist, braucht sie noch weitere Medikamente.

Dazu gehören:

  • Bitterstoffe zur Regulierung von Magen, Leber, Pankreas
  • Entzündungshemmer z. B. mit Myrrhe
  • Antipilzmittel z. B. mit Nystatin (Achtung, nie bei Leaky Gut!)
  • Toxinbinder wie z. B. Kaffeekohle
  • Schleimhautschützer wie z. B. Flohsamenschalen
  • Immunmodulatoren wie z. B. E. Coli Präparate
  • Regulierung der Darmtätigkeit mit Quellmitteln

Diese Medikamente werden individuell auf Sie abgestimmt und begleiten die Therapie mit Bakterienpräparaten.

 

Sind echte Lebensmittelallergien vorhanden, sollten diese während der Therapie gemieden werden. Am Häufigsten geht es um Milcheiweiß, Weizen oder Hühnerei Allergien.


Wie ernähre ich mich richtig?

Gesunde Ernährung ist wichtig!
Heilpraktiker empfehlen eine gesunde Ernährung

Zusätzlich zu Probiotikas muss immer die Ernährung angeschaut und umgestellt werden. Kochen Sie frisch, regional uns saisonal. Wenn dann auch noch Bioprodukte verwendet werden, ist das optimal. Verzichten Sie so weit es geht auf Fertigprodukte und Zusatzstoffe. Vor allem Glutamat und Konservierungsstoffe können bei empfindlichen Menschen die Darmschleimhaut durcheinander bringen.

 

Essen Sie abwechslungsreich, mit viel Ballaststoffen. Nehmen Sie sich Zeit zum Essen, kauen Sie gut und genießen Sie es!

 

Ein Wort noch zu Glyphosat. Die Uni Leipzig hat in verschiedenen Studien herausgefunden, dass Glyphosat gewisse Darmbakterien zerstören kann. Dadurch vermehren sich vor allem Clostridien im Darm. Die meisten Clostridienstämme haben keinen direkten Krankheitswert. Sie sondern aber Stoffe ab, die langfristig karzinogen wirken. Das heißt, das Darmkrebsrisiko erhöht sich.

Außerdem bindet Glyphosat verschiedene Mineralien in der Pflanze. Diese können im Darm von uns nicht aufgenommen werden und landen in der Toilette. Sie können einen Mineralienmangel entwickeln, obwohl Sie theoretisch genügend zu sich genommen haben. Glyphosat ist bei Bioprodukten verboten. Insbesondere bei Früchten und Gemüse lohnt es sich also darauf zu achten, Bioqualität einzukaufen!

 

Als allgemeine Richtlinien hier ein paar Angaben zu den Lebensmitteln.


Das sollten Sie meiden/wenig essen:

  • Tierische Produkte: Milch, Fleisch und Eier.
  • Soja
  • Hülsenfrüchte
  • Fertiggerichte
  • Glutamat, Konservierungsmittel, Zusatzstoffe
  • Süßigkeiten
  • Kaffee
  • Alkohol
  • Zigaretten

Nicht immer müssen es Medikamente sein. Das ist gut für den Darm:

  • 2-3 Liter stilles Wasser
  • Gemüse
  • Zwiebeln und Knoblauch
  • Gartenkräuter
  • Grapefruitkerne
  • Rechtsregulat
  • fermentiertes Gemüse und Getreide
  • hochwertige Öle, kaltgepresst

Margot Eisele, Heilpraktikerin


Praxis in Haidhausen
Margot Eisele, Heilpraktikerin in München, Haidhausen