Ständig Ärger mit dem Bauch: Zöliakie


Was ist Zöliakie?

kein Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel
Glutenfrei bei Zöliakie

Zöliakie, auch Glutenunverträglichkeit genannt, ist eine Krankheit, bei der Betroffene auf Gluten reagieren. Die Beschwerden entstehen durch die falsche Reaktion des Immunsystems. Es erkennt Gluten fälschlicherweise als Böse. Die daraufhin stattfindende Reaktion macht eine chronische Entzündung des Dünndarms, bei der die Zellen zerstört werden. Die Einteilung der Krankheit ist nicht ganz klar, sie zeigt Allergieähnlichkeit und Zeichen eines Autoimmungeschehens. Zöliakie wird zum Teil vererbt, sie besteht ein Leben lang und kann zur Zeit nicht geheilt oder ursächlich behandelt werden.

Betroffen ist in Deutschland etwa eine Person auf 500. Weltweit liegt die Verteilung bei ca 1:270. Leider wird jedoch weltweit nur etwa jeder 10. Patient mit Zöliakie erkannt. Die meisten Zöliakiebetroffenen entwickeln Symptome im Säuglingsalter oder zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Die Verbreitung der Zöliakie hat sich in den letzten 70 Jahren verfünffacht.



Wo ist Gluten enthalten?

Gluten ist das sogenannte Klebereiweiß. Es sorgt dafür, dass das Brot zusammenhält, die Kekse nicht zerfallen und die Pizza in ganzen Stücken gegessen werden kann. Es befindet sich vor allem in den Körnern/Samen vieler Getreidesorten.

 

Gluten ist in folgendenGetreidesorten enthalten:

  • Weizen
  • Dinkel
  • Roggen
  • Gerste
  • Grünkern
  • Einkorn
  • Kamut
  • Bulgur
  • Emmer
  • Triticale

Als glutenhaltig gilt alles, was über den Grenzwert von 20 ppm (parts per Million) geht. Damit Sie sich das vorstellen können: auf ein Bällebad mit 50 000 "glutenfreien" Bällen, darf ein einziger "glutenhaltig" sein. Zwei würden bereits eine Schädigung im Darm machen.


Was sind die Symptome einer Glutenunverträglichkeit?

Zöliakie ist ein Tausendsassa und das Chamäleon unter den Krankheiten. Die Symptome reichen von kurz vor dem Sterben zu keinerlei Symptome sichtbar.

 

Die Stärke der Symptome sagt nichts darüber aus, wie stark die Schädigung im Darm ist. Es gibt Patienten mit Marsh 3c als reinem Zufallsbefund und Patienten mit heftigsten Beschwerden und Marsh 2. Auch wenn keinerlei Symptome spürbar sind, findet die Schädigung im Darm statt!

 

Die typischen Symptome wie Durchfall und Gewichtsverlust kommen nur etwa bei jedem 10. Zöliakiebetroffenen vor. Die anderen haben unspezifische Symptome wie:

 

  • Übelkeit/Appetitlosigkeit/Erbrechen
  • Blähbauch
  • Verstopfung, Fettstuhl
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsstörungen
  • Müdigkeit
  • chronischer Eisenmangel, Anämie
  • Depressionen, schlechte Laune
  • Kleinwuchs/Gedeihstörungen
  • Unfruchtbarkeit
  • Schlechte Zähne, Zahnschmelzprobleme
  • trockene Haut
  • Schmerzende Knochen

Wird die Zöliakie nicht erkannt oder nicht korrekt behandelt, steigt die Gefahr an einem Non-Hodgkin-Lymphom (eine Art von Lymphkrebs) oder Darmkrebs zu erkranken. Außerdem wird vermutet, dass das Risiko andere Autoimmunkrankheiten wie Diabetes 1, Morbus Hashimoto (Schilddrüse), Rheuma, Psoriasis (Schuppenflechte) etc. zu entwickeln.


Wie wird Zöliakie behandelt?

Behandlung von Zöliakie in der Naturheilkunde
Dünndarmentzündung und Zottenatrophie bei Zöliakie

Die schlechte Nachricht: es gibt keine Heilung. Außerdem führt eine unerkannte oder nicht korrekt behandelte (glutenfreie Diät) Zöliakie zu einem vielfach erhöhten Sterberisiko.

Die Ursache für die Fehlreaktion des Immunsystems ist nicht bekannt. Es existiert keine Behandlung, die Zöliakie ausheilen kann und kein Medikament, was die Symptome lindert.

 

Die gute Nachricht: unter strikter Diät gleicht sich das Risiko relativ zügig wieder an. Die Lebenserwartung bei Glutenverzicht ist dieselbe, wie bei gesunden Personen.

Die Behandlung besteht also darin, auf Gluten zu verzichten und kontaminationsfrei zu leben.
Unter glutenfreier Ernährung regeneriert der Dünndarm wieder komplett, ein Unterschied zu einem gesunden Darm ist nicht mehr sicht-/meßbar.

 

Der Darm kann allerdings mehrere Monate bis Jahre brauchen, um wieder komplett auszuheilen. Um diese Regeneration zu beschleunigen und Nährstoffmängel auszugleichen, ist eine begleitende naturheilkundliche Therapie durchaus sinnvoll. Am Anfang steht hier die Stuhlprobe, um zu schauen, welche Probleme aktuell bestehen. Dazu ein Blutbild zwecks Nährstoffmängeln. Dann kann gezielt mit Darmbakterien (Probiotika), antientzündlichen Pflanzen wie Myrrhe oder Nahrungsergänzungsmitteln die Heilung der Darmschleimhaut unterstützt werden.


Kann man Zöliakie vorbeugen?

Bisher ist nur bekannt,  dass Babys frühestens nach 4 Monaten glutenhaltige Getreidesorten bekommen sollten, weil ansonsten das Risiko einer Zöliakie erhöht ist. Studien deuten darauf hin, dass Frauen, welche in der Schwangerschaft besonders viele Ballaststoffe zu sich nehmen, das Risiko für die Kinder verminder.


Wie kann ich eine Zöliakie feststellen?

Blutabnahme bei der Heilpraktikerin
Dünndarmschleimhaut mit Zotten

Wenn der Verdacht auf eine Zöliakie besteht, wird als erstes das Blut untersucht. Wichtig ist hier zu wissen, dass davor mindestens 12 (!) Wochen glutenhaltig gegessen werden muss. Für Erwachsene gilt der Richtwert von 15 g Gluten am Tag, für Kinder 10 g Gluten. Ansonsten ist eine korrekte Diagnostik nicht möglich. Glutendiät ohne vorher die Blutwerte zu prüfen gilt als Kunstfehler und wird leider sehr häufig gemacht.

 

Im Blut wird die Transglutaminase IgA und Gesamt IgA gemessen. Sind beide Werte normal, ist eine Zöliakie zu 99% ausgeschlossen. Leider gibt es auch Menschen, bei denen die Blutwerte normal sind, obwohl eine Zöliakie da ist. Ganz sicher kann man nur im Zusammenhang mit einer Magenspiegelung mit Dünndarmbiopsie sein.

Zur Blutuntersuchung sollten alle Mensch mit:

  • Zöliakieverdacht
  • Geschwister/Eltern/Kinder mit Zöliakie
    Kinder bis 18 sollten jährlich getestet werden! Erwachsene nach dem ersten Test nur bei Symptomen.
  • chronische Darmbeschwerden
  • Diabetes Typ 1, Morbus Hashimoto, Psoriasis, Rheuma, Down Syndrom, Vitiligo
  • länger anhaltenden Symptomen aus der Liste: was sind die Symptome einer Glutenunverträglichkeit

 

Was tun, wenn die Werte auffällig waren?

 

Kinder mit Transglutaminase IgA Werten über 10fachem Normwert (2 Messungen unterschiedlicher Labore im Abstand von 2 Monaten) müssen keine Biopsie machen. Alle anderen schon.


Diese Getreidesorten sind erlaubt

Heilpraktiker können Zöliakie begleiten
Kein Weizen ei Zöliakie

Es gibt auch Getreide-/Pseudogetreidesorten, die von Natur aus glutenfrei sind.

 

Dazu gehören:

  • Mais
  • Reis
  • Hirse
  • Teff
  • Amarant
  • Buchweizen
  • Quinoa

 

Leider werden diese Getreidesorten oft in Getreidemühlen bearbeitet, die auch glutenhaltige Sorten verarbeiten. Die Kontaminationsgefahr ist sehr groß. Deswegen müssen verarbeitete Produkte (Grieß, Mehl, gepufft, Flakes etc.) zwingend glutenfrei ausgewiesen werden. Sonst sind sie für Zöliakiebetroffene verboten. Das gilt leider auch für Reismehl und Reismehlprodukte.

 

Hafer hat bei Zöliakie eine Spezialrolle. Theoretisch ist Hafer glutenfrei aber es gibt zwei Probleme damit.

  1. Hafer ist sehr oft schon auf dem Feld kontaminiert. Er darf darum ausschließlich glutenfrei zertifiziert gekauft werden
  2. viele Zöliakiebetroffene vertragen keinen Hafer und reagieren auf das enthaltene Avenin wie auf Gluten. Deswegen gilt: Erst wenn die Blutwerte normal und die Symptome verschwunden sind, darf mit kleinen Mengen an Hafer begonnen werden. Blutkontrolle muss gemacht werden. Für Neulinge ist Hafer nicht erlaubt

Auch Weizenstärke ist theoretisch glutenfrei, wird jedoch von vielen Betroffenen nicht vertragen und darf, wie auch Hafer, erst gegessen werden, wenn die Blutwerte normal sind.


Kontamination, was ist das?

Glutenfreie Ernährung ist, wenn man es eine Weile gemacht hat, gar nicht schwierig. Das, was das Essen mit Zöliakie wirklich schwer macht, ist das Thema Kontamination. Leider ist es für die Reaktion im Dünndarm nicht entscheidend, wie viel Gluten aufgenommen wurde. Ob eine ganze Pizza oder nur etwas Mehlstaub, die Reaktion darauf ist dieselbe. Der Teufel steckt im Detail. Nudelwasser mit dem falschen Löffel gerührt, falsches Korn im Müsli, Mehl aus der falschen Mühle oder Hände, die davor Brot angefasst haben: das reicht bereits, um den Dünndarm zu entzünden. Dabei ist es egal, ob Sie die Reaktionen spüren oder nicht. Sie finden statt.

 

Ob beim Kochen, Metzger oder im Restaurant, achten Sie auf strikte Trennung von glutenhaltigen und glutenfreien Lebensmitteln/Pfannen/Besteck und waschen Sie immer die Hände, nachdem Sie etwas glutenhaltiges angefasst haben.

Saaten, Linsen und Getreidekörner bitte immer vor dem Essen auf fremde Körner kontrollieren. Vor allem bei den Linsen ist die Verunreinigung mit glutenhaltigem Getreide sehr hoch. Fertige Linsengerichte müssen deswegen


Ich habe Zöliakie, was mach ich jetzt?

glutenfreie Rezepte in der Praxis
Glutenfrei backen, kein Problem!

Als erstes: keine Panik. Am Anfang wirkt es wie ein unüberwindbarer Berg. Man wächst aber rein, versprochen!

 

Am besten ist es, man vernetzt sich mit anderen Betroffenen und holt sich Informationen aus dem Internet. Eine gute Quelle sind hier die Deutsche Zöliakie Gesellschaft oder der Zöliakie Austausch im Netz resp. bei Facebook.

 

Ausgerüstet mit den 15 bösen Zutaten geht es als erstes daran, sämtliche Lebensmittel, Gewürze, Getränke, Bonbons, Kaugummis und überhaupt alles, was in den Mund kommt auf Gluten zu prüfen und Verbotenes zu entsorgen. Angefangene Packungen, wo mit den Händen reingegriffen werden (Gummibärchen, Kaugummi und Co.) bitte auch dann entsorgen, wenn sie eigentlich glutenfrei sind. Die Kontaminationsgefahr ist zu groß.

 

Weiter sollten in der Küche der Handmixer, Schneidebretter mit tiefen Kerben, Holzbrettchen, Holzlöffel, Toaster, Kuchenformen mit Kratzern und Plätzchenformen, die schwer zu reinigen sind, ausgetauscht werden.

 

Am einfachsten ist es, wenn der ganze Haushalt auf glutenfrei umgestellt wird. Wenn das nicht gewünscht/nicht möglich ist, braucht es feste Schränke/Schubladen/Arbeitsflächen und Sitzplätze am Tisch, welche immer glutenfrei sind. Glutenhaltige Speisen sollten nie über glutenfreien gelagert werden, die Kontaminationsgefahr ist zu groß. Das gilt auch für gleichzeitiges Backen im Backofen: glutenfrei oben, glutenhaltig unten.


Restaurant, Eisdiele und Besuch bei Freunden...

Einfach spontan losziehen mit Zöliakie, ist leider fast unmöglich. In der Regel muss vorher gut geplant und vor allem gut befragt werden und auch dann gibt es noch ein paar Stolpersteine...

 

Restaurant:

  • als Anfänger hält man sich am besten an die von anderen betroffenen Restaurants
  • Auch Apps wie zb. find me GF oder Facebookgruppen wie der Zöliakie Austausch bieten Tipps auf der ganzen Welt
  • Rufen Sie vor dem Besuch im Restaurant an und verlangen Sie den Küchenchef
  • Erklären Sie, dass Sie auf Gluten verzichten müssen und fragen Sie, ob er sich damit auskennt
  • Klären Sie ab, was für Sie in der Küche zubereitet werden kann und gehen Sie alle Zubereitungsschritte durch. Auf was für Oberflächen wird gearbeitet? Werden die Pfannen zwischendurch gespült? Was für Gewürze/Essige werden genutzt? Wird in der Fritöse auch etwas anderes frittiert? Werden die Pizzabeilagen aus ungeöffenten Packungen genommen? Kommt der Löffel für die Soße mit Teig in Berührung?
  • Wenn eine Speise festgelegt wurden, der Koch Ihre Fragen beantworten konnte und Sie ein gutes Gefühl haben, müssen Sie nur noch im Restaurant die Bedienung darauf hinweisen und das Essen kontrollieren, wenn es kommt. Sind wirklich keine Croutons auf dem Salat? Sind keine Röstzwiebeln auf dem Kartoffelgratin? Wurde der Fisch/das Fleisch wirklich nicht mehliert?
  • Bitte auch Getränke abfragen!

Eisdiele:

  • Als erstes ablären, ob die Eisbasis glutenfrei ist
  • Wenn ja, welche Sorten sind ohne Gluten? Wenn es zb. Cookies und Cream gibt und das Verkaufspersonal sagt: "alles glutenfrei!", wissen Sie bereits, dass Sie lieber nichts essen sollten...
  • Bitten Sie darum, den Eislöffel unter fließendem Wasser zu reinigen und die Kugel aus dem unberührten Teil zu entnehmen.
  • Achten Sie darauf, dass keine Waffelen/Kekse auf das Eis bröseln.

 


Zöliakie ist es nicht, was dann?

Wenn die Probleme auf eine Zöliakie deuten und diese ausgeschlossen wurde, können auch andere Krankheiten dahinter stecken.

 

Ähnliche Symptome machen:

  • Nahrungsmittelallergien v.a. Weizen
  • Fruktoseintoleranz
  • Laktoseintoleranz
  • Infektion mit Giardien/Lamblien
  • Morbus Whipple
  • Morbus Crohn
  • Colitis Ulcerosa
  • Pankreasinsuffizienz

Hilfreiche Links zum Thema

Es gibt inzwischen sehr viele Seiten, die sich mit dem Thema Zöliakie auseinadersetzen. Vor allem bei Facebook gibt es unzählige Gruppen dazu. Egal ob Reisetipps, Restauranttipps, Anfängerfragen oder Rezeptsuche, für alles gibt es Ansprechpartner.

 

Hier habe ich ein paar wichtige Links gesammelt:

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